Sandra

roseurbanowskireigen2003byvisualactGerade, als ich soeben durch die Karmelitergasse spazierte, war Licht im Kulturbüro, in Andis Stadtbüro seiner kleinen feinen Spedition. Sandra hatte im Dezember einen Weihnachtsmarkt aus dem Boden gestampft, der es ihren Freundinnen und Freunden, die Einschlägiges aus dem Kunstgewerbe anzubieten haben, ermöglichen sollte, ihre Produkte interessierten Adressaten anzubieten, nebst Prozentigem für kalte Winternächte. Ich schloss mich dem bald lustigen Treiben an und erwarb zwei Landkrimis aus der Steiermark, entsprungen der Feder von Klaudia Blasl, ein Kochbuch zur Zubereitung von Hundekeksen, sowie eine Schatztruhe für Rosi, gedacht für Leckerlis mit Dackelporträt on the top, entworfen und produziert vom allseits geachteten Wolfgang Bäuml.

Beim Weitergehen fragte ich mich spontan, seit wann ich Sandra eigentlich kenne. Wohl schon sehr lange. Ich erinnere mich, wir hatten erstmals Anfang des Jahrtausends das Vergnügen im Kunstforum, wo ich damals ein Konzert, an das ich mich zwar nicht mehr erinnern kann, veranstaltet hatte. Kurz darauf fanden wir heraus, dass wir eigentlich Nachbarn waren, die Pflege der Nähe nahm daher rasant seinen Lauf: Sängerin mit dem Talent, nicht nur wie aufgezogen zu sprechen, sondern vor allem auch, hinreissend das große Songbook zu singen und ihr Wissen und Mitteilungsbedürfnis schließlich auch zu Papier zu bringen machte sie bald zu einer nicht alltäglichen Mitarbeiterin in meinem Mikro-Medienimperium, der jazzzeit – Magazin für Musik und Lebenskunst. Die Musik, sowieso ihr Metier, schrieb sie, die Lebenskunst fand dann meist beim Brendl ums Eck’ statt, wo sich eines Tages auch Andi, frisch zugezogen im Grätzl, zum Tisch gesellte, der Abend feuchtfröhlich seinen Lauf nahm und mich dieser am nächsten Tag anrief, um mir von seiner neuen Errungenschaft zu erzählen.
Was folgte, war Liebe, Wonne, Leidenschaft zwischen den beiden, aber nicht nur das, denn wir alle erinnern uns beispielsweise an Richard Burton und seine Liz Taylor und somit an die zumeist öffentlich ausgetragenen Gefechte zwischen Andi und Sandra, Eskapaden, Zerwürfnisse, an denen wir alle im Grätzl teilhaben durften … und bisweilen auch mussten.
Doch hauptsächlich gab es natürlich echte Erfolgsstories: Schon damals, als ich noch nicht im Eismeer der Wiener Kulturschickeria Schiffbruch erlitt, träumte Sandra von ihrem Salon, in dem sie ihresgleichen, also Jazzmusiker vom Feinsten, einladen wollte. Und nachdem mein Schiff gesunken war, setzten wir ihren Plan vom eigenen Jazzclub in der Einfahrt in die Tat um. August, der Wirt, war angetan von unserer Idee, baute über den Sommer eine Bühne im Lokal, im Herbst wurde eröffnet, und es sollte fortan Treffpunkt und Sprachrohr für nicht alltägliche Musik werden. Hier gab es denk- und erinnerungswürdige Abende mit künstlerischen Projekten, die Sandra entdeckt und sich andere, namhaftere Veranstalter, wohl nicht getraut hätten, zur Aufführung zu bringen. Das Publikum dankte es ihr auch meistens.

Ganz anders habe ich sie zeitweise auch wahrgenommen: Eingebettet in den Wahnsinn des so genannten Showbiz folgte sie dem Weg desselben, geheuert, gefeuert, himmelhoch jauchzend und zu Tode betrübt, stets stimmgewaltig, doch oft bar jedes Realitätssinns für eine Stimme, für ihr Charisma auch hart arbeiten zu wollen, die Konsequenz aufbringen zu können, ihren Weg zu gehen. In meinen Augen versoff sie sich zeitweise, kiffte, was das Zeug hielt und möglicherweise noch einiges mehr. Andi, und nicht nur er, waren kurz davor, sich von ihr abzuwenden, wir sprachen oft darüber, doch vor allem er brachte es nicht übers Herz. Obwohl: Trennung war zeitweise angesagt, getrennte Wohnorte, Abstand gewinnen, Neustart? Gut, Andi ist ja vielleicht auch ein bisschen ein Wahnsinniger, hat aber, wie ich meine, so ziemlich vieles im Griff, worum ich ihn, einen Pragmatker, eigentlich sehr beneide. Schließlich gibt es ein Happy End: Gemeinsam beschritten sie den Weg, sich am Krawatt’l zu packen, sich um Gesundheit im corpus zu bemühen und auch um den mens. Mens sana in corpore sano wurde im vergangenen Jahr zu einem Wahlspruch für die beiden, beide tun ihnen gut. Von vielen neuen Plänen durfte ich in der letzten Zeit erfahren, auch die Knef ist als Projekt, zehn Jahre nach ihrer, unserer ersten Idee, der verstorbenen Diva ein Programm zu widmen, nicht gestorben, neue Projekte der Salonistin sind ebenfalls schon im Werden, hier im Grätzl natürlich.

Das ist nun ein sehr kurzer und vor allem sehr subjektiver Abriss. Ich möchte daher, last but not least, nicht vergessen festzuhalten, welch ein kräftiger, empathischer Mensch in ihr steckt. Mit meinen Problemen, die ich beispielsweise mit meiner damaligen Freundin hatte, ist sie mir beigestanden, um mir nächtelang zuzuhören, wenn das Herz übergegangen war. Oder einfach nur gequatscht wurde, um meinen Alltag außen vorne weg lassen. Oder ganz einfach da zu sein, wenn es an der Zeit ist, einander wiederzusehen.
Den Weihnachtsmarkt werde ich 2017 nicht nur wieder besuchen, ich werde mich auch bemühen, mich konstruktiv einzubringen (das Kochbuch für Hundekekse habe ich vorsorglich ebendort schon letztes Jahr erstanden und Dagmar geschenkt, die dann bäckt), freue mich, wenn es sich ergibt, stets auf Sandra, ihre Persönlichkeit und nicht zuletzt erklärtes Grätzloriginal, lausche ihren epischen Ausführungen zum (kleinen Welt)Geschehen und bin einfach glücklich mit ihr, bei einem kleinen, gemeinsamen Bier.

Die Scharfe Henne, das ist es, worauf die ich beiden, den Andi und Sandra, schon lange einladen möchte. Denn dieses Gericht wird ihr allemal gerecht.

8 Gedanken zu „Sandra“

  1. Lieber Wolfgang, so wie du Sandra hier skizziert hast habe ich das Gefühl, sie und ihr Umfeld schon ewig zu kennen und ihre Stufen der Hochs und Tiefs persönlich miterlebt zu haben.
    Eine interessante Persönlichkeit mit ebensolchen Ideen.
    Danke für den Bericht.

  2. Danke, Wolfi.
    Ja, da hast Du einen – Deinen- Abriss meines Seins in fürwahr rührende Worte gehüllt.
    Und, ja, es ward nicht immer leicht.
    Mit mir.
    Weder für mich noch für Andere.
    Mit Dir übrigens auch nicht. 😉
    Die Freude ob Erkenntnis des Wertvollen an all gemeinsam erlebten Geschehen überwiegt.
    Und das ist SCHÖN.

    Vielen Dank, wir freuen uns auf die Scharfe Henne. Gib uns bitte noch 14 Tg – aber dann!

    Deine Rose,
    das Roserl,
    die Rosegard Kneffe,
    die Larah Zechander,
    aber v.a.
    Deine /Eure Sandra

    1. Hallo Sandra,
      Auch bedanke mich für deine so überschwänglichen Reaktionen 😀 vor allem, dass ihr meiner Einladung endlich auch folgen wollt!
      So sehen wir VÖLLIG ENTSPAND UND VOR ALLEM BEIDERSEITS UNKOMPLIZIERT einem nette Abend im Vormärz entgegen 🍖🍺🍷🍾!

    2. Hallo Sandra,
      Auch bedanke mich für deine so überschwänglichen Reaktionen 😀 vor allem, dass ihr meiner Einladung endlich auch folgen wollt!
      So sehen wir VÖLLIG ENTSPAND UND VOR ALLEM BEIDERSEITS UNKOMPLIZIERT einem nette Abend im Vormärz entgegen 🍖🍺🍷🍾!

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