Die guten Vorsätze …

mit-leerem-magen-trainieren… wollen auch in die Tat umgesetzt werden. Daher melden sich zwei Athleten auf diesem Weg in der vieltausendfachen Öffentlichkeit, um ihre die ersten Erfolge des Jahresplans für 2017 mitzuteilen. Für David und mich stehen die Zeichen im Neuen Jahr auf Sport, und das schon seit mehr als vier Tagen!

Der Plan ist bestechend: Jeden zweiten Tag pilgern wir in das nahe gelegene Fitness Center McFit, um hier Ausdauer zu trainieren, Kraft zu tanken, Gewicht zu verlieren und Muskeln in einer Masse und natürlich Ästhetik aufzubauen, die Arnold & Co. schon jetzt erblassen lassen. David wählt zum Aufwärmen den, wie man zu Haue sagen würde, Heimtrainer, der hier allerdings einen ganz anderen Stellenwert einnimmt. Im trauten Heim firmiert dieser, wir erinnern uns, wurde er damals angeschafft, um dem Speckgürtel paroli zu bieten und machte in weiterer Folge eine Blitzkarriere als teuerster Kleiderständer der Welt im Schlafzimmer. Hier allerdings wird er seiner Berufung mehr als gerecht: Ich beobachte David, wie er virtuelle Berge erklimmt, die Schweißperlen aus Stirn und wohl auch sonstwo strömen, aus dem nahe gelegenem Laufband (ich nenne es zärtlich Förderband) wo ich ebenso forsch wie konsequent schon die eine oder andere Anhöhe erklommen habe. Natürlich, wie könnte es anders sein, im Laufschritt. David erledigt diese Etappe der Körperertüchtigung in innerer Kontemplation, ich bevorzuge musikalische Motivation. Gestern unterstützten mich durchwegs adrenalingeladene Remixer, die sich den, altersadäquat, unvergesslichen Erfolgen des verstorbenen Johnny Cash angenommen hatten, aber diesem und seinen Kompositionen neues, fitnesscentertaugliches Leben eingehaucht hatten.

Dienstag war Squash-Tag. Als Neulinge auf dem Gebiet schenkten wir einander trotzdem nichts, ein Kampf bis auf den letzten Schweißtropfen war angesagt. Und Naturtalente, die wir in Sachen Körperbeherrschung und vor allem ausgestattet mit dem Know How, welche Bewegungen zu welcher Zeit die einzig richtigen sind, beschlossen wir auch bald, dass es gut war, wie es war und freuten uns auf den nächsten Tag. Squash erteilten wir eine Abfuhr, das ist nicht unsere Sportart, aber wir bleiben dran.

Denn am Mittwoch ging es bereits wieder, unserem Rhythmus folgend, weiter. Nach dem Cardio-Programm, zu deutsch dem Aufwärmen, ging es zu den Foltergeräten. Hier haben wir uns schon vor längerem individuelles Vorgehen zusammengestellt, das, siehe oben, adonische Pracht für Vater und Sohn ermöglichen soll. Gut, daran kann man noch feilen, aber Rom ist ja bekanntlich auch nicht an einem Tag erbaut worden. Jedoch: Man keucht, schwitzt und freut sich nach einer Stunde aufs nach Hause gehen, erleichtert, es überstanden zu haben, erquickt durch die Endorphine, die sich der Helden bemächtigt haben und möglicherweise auch über den Appetit auf einen netten Imbiss. Gesund natürlich.

Heute, Donnerstag, steht mens sana auf dem Programm, der Corpus sanum ist dann wieder für morgen geplant. Also heute spielten wir Billard. Für mich ist das eine feine Erinnerung, wenn wir den Donaukanal überqueren, um ins Köö zu gelangen, wissend, wieder vom Meister betoniert zu werden. Immerhin hatten wir damals, vor, ich erinnerte mich heute daran, nun doch schon fast zwanzig Jahren mit dem Spiel begonnen. David, im zarten Alter von damals sieben, höchstens acht Jahren, meinte, wir sollten Billard spielen. Gut, dachte ich, und vor mir tauchte spontan das berüchtigte Café Weidinger am Gürtel auf, wo diese Sportart, neben dem gängigen, dem Stoßspiel, auch angeboten wurde. Panik kam auf, denn als verantwortungsbewusster Vater wollte ich ihm diese Form der gesellschaftlichen Allgemeinbildung noch ersparen. Zum Glück fanden wir unser Köö, den Treffpunkt geschiedener Söhne und Väter am Freitagnachmittag. David, ich erinnere an die Geschichte vom 30. Dezember, lernte schnell. Trotz seiner damals noch bescheidenen Körpergröße entdeckte er in Windeseile seine Beziehung zu Queue, Tisch und vor allem die vielen, später drei Kugeln und schließlich auch die Mega-Variante, gennant Snooker. Es versteht sich von selbst, dass mir schon bald keine Chance mehr gegeben wurde, in diesem Spiel gegen ihn auch nur einmal zu gewinnen.
Für seinem 13. Geburtstag wünschte er sich eine letzte kindergerechte Party, denn fortan würden die Eltern bei solchen nichts mehr zu suchen haben. Gut, meinte ich, dann sollte sie auch ohne Weiber stattfinden, allerdings mit Schulkameraden und deren Vätern, natürlich im Köö. Sie fanden sich ein, und wir veranstalteten ein Billardturnier, mit allem, was dazu gehört: Ausscheidungsspiele, Würstel mit Cola, und dem Sieger winkte auch ein Pokal. David, damals uneingeschränkt der Beste in der Riege, würde an diesem Nachmittag wohl gewinnen. Und da bat ich ihm, wissend um seine Qualitäten, dass er, als Gastgeber vielleicht Zweiter werden sollte, nur wir beide würden um die Wahrheit wissen. Und er wurde Zweiter. Ich war schon damals sehr stolz auf ihn.

Morgen wird es wohl wieder das McFit werden, in das wir, (fast) pünktlich um elf unsere Schritte lenken werden. Ich habe inzwischen die Loox-App heruntergeladen, da wird ein Programm angeboten, das unseren Intentionen nahe kommen könnte. Vielleicht probieren wir das ab morgen einmal aus.

Ein Gedanke zu „Die guten Vorsätze …“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.