Texte

Round Midnight

Ich musste den Kragen meines Trenchcoats hochschlagen, damit die schweren Regentropfen nicht an meinen Hals und dann abwärts gelangen konnten. Schwer hatte ich es in jener Nacht ohnehin: sie waren mir abhanden gekommen, die leichten Gedanken, und was ich an diesem Abend mit mir herumschleppen musste, dass wollte ich nicht einmal meinem schlimmsten Feind zumuten. Durst. „Round Midnight“ weiterlesen

Francesca

Sie hatte schon so traurig begonnen, die ganze Geschichte: Kaum, dass Francesca, das Fohlen, das Licht der Welt erblickt hatte, kamen die Männer mit ihren dunklen Gesichtsausdrücken, bewaffnet mit Seilen, die sie Dolores der Stute um den Hals banden und sie gleich einer Diebin abführten, mit dem Vorsatz – man wollte und konnte gar nicht daran denken … Flink steckten sie Francesca in einen Sack und machten sich, als sie die laut nach Hilfe wiehernde Mutter im dunkelsten Winkel des Stalls angebunden hatten, mit dem hilflosen Balg darin versteckt aus dem Staub. „Francesca“ weiterlesen

Darwin: New Nightmares

coverschweinweb2Gerade während der Nobel-Saison scheint es, dass einige wissenschaftliche Fakultäten ihre historischen Meriten in neuem Licht aus Österreich betrachten müssen. Ja, wir dürfen sogar so weit gehen, dass die Erkenntnisse des Forschungsteams um Wolfgang Katzer und Christian Feichtinger in letzter Instanz unsere Schulliteratur revolutionieren wird: Mit ihrer kürzlich erschienen Publikation Die unendliche Leichtigkeit des Schweins, erschienen im Ibera Verlag, schlagen sie daher nicht zuletzt die entscheidende Bresche im Hinblick auf die zu verbessernde Sinnerfassung komplexer Zusammenhänge. „Darwin: New Nightmares“ weiterlesen

Die Marillenkönigin

Wer kocht Marillen in der Hitz‘?
Es ist die Moni, die da schwitzt.
Sie schwingt den Löffel, wohl gekonnt,
in der Küche – nicht, wo man sich sonnt.

Das schoafe Luda kocht sie ein,
Da hilft kein Jammern, hilft kein Schrei’n.
„Moni, spürst du die Hitze nicht?“
Eine von den Marillen spricht.

„Kusch,“ mahnt Moni in der Küch‘,
„verschone mich mit Leidenssprüch‘!“
Weiß sie doch, es ist ihr Lebensinn:
„Ich bin’s: Konfitürenkönigin.“

Trio Infernal

Stand das Akkordeon in seiner Historie stets als musikalischer Botschafter für die mobile Musikvermittlung, so hat sich sein Ruf in den vergangenen Jahren in seiner Bedeutung geradezu globalisiert. Sprühte sein Charme in der Vergangenheit vor allem in den franko-romanischen Kulturkreisen, bzw. hier zu Lande aus seinem folkloristischen Einzugsgebiet, hat es nun nachhaltig Einzug in sämtliche Bereiche im zeitgenössischen, innovativen Musikschaffen gefunden. Als ein Paradebeispiel für Engagement in diesen Genres gilt das junge aus Österreich stammende Ensemble Christian Bakanic’s Trio Infernal. „Trio Infernal“ weiterlesen

Anna Tusbrasch

Liebe Monika!

ich meine, im Grunde ist er ein netter Mensch. Ich habe auch das Gefühl, dass er sich mehr mit mir beschäftigen würde, aber die paar Minuten in der Früh und am Abend, die sind einfach zu kurz, um da eine echte Beziehung aufbauen zu können. Und dann ist da noch der Typ aus der Elektroabteilung: Klar, mit dem muss er sich mehr abgeben, mit dem steht er dann kurz vor dem Spiegel, geht mit ihm, der brummt, durch seine Wohnung (nehme ich einmal an, denn aus diesem Badezimmer, wo du mich damals ausgepackt hattest, bin ich bislang noch nicht herausgekommen) … Naja, und dann ist das Morgenwerk getan.

Mich schaut er immer so komisch an. Am Anfang dachte ich ja noch, der meint mich, aber dann ist mir ein Licht aufgegangen: ich habe den Typen echt im Verdacht, dass er, jedes Mal, wenn er den melancholischen Blick aufsetzt, in Wahrheit ganz tief und innig an dich denkt. Und dann werde ich auch gleich melancholisch: weil ich kann ihn gut verstehen, und ich denke, wir vermissen dich beide.

Wann, glaubst du, schaust du wieder einmal bei uns vorbei? Hmm?

Viele Grüße, auf bald!
Anna, deine Zahnbürste

bianco e nero

97839910010102Wolfgang Salomon ist Wirt. Fast ein Jahrzehnt nach der Eröffnung seiner feinen spezerei, Nomen est Omen, also meines zweiten Wohnzimmers, ausgestattet mit kulinarischen Leckerbissen und vielen Geschichten und Geschichterln rund um seine Musik, seine Vorlieben in Sachen Speis‘ und Trank, letzteres fokussiert auf seine Herzensheimat Triest, hat er nun zu Papier gebracht und als ganz persönliche Reiseerzählung in Buchform veröffentlicht. „bianco e nero“ weiterlesen