Aber, aber: Wolfgangsee

schafbergspitze-kopieWir erinnern uns: es war um 976, selbst Österreich war noch nicht erfunden, als sich ein Bischof aus Regensburg in der Region um das damals als Abersee bekannte Wasser ansiedelte. Ja, da wollte er sich niederlassen, warf kurzerhand sein Beil und beschloss, dort, wo es zu Boden fallen sollte, eine Kirche zu errichten. Kurz, einer der weltweit beliebtesten Flecken war nicht nur gefunden, sondern sollte sich seitdem prächtig entwickeln.

Und in der Tat, Die Gemeinden um den Wolfgangsee haben es in den mehr als tausend Jahren tatsächlich immer wieder zuwege gebracht, ihre Gäste (damals Pilger genannt) auf vortrefflichste zu bewirten und beherbergen, stets illustre Runden der Gesellschaft. So schrieb etwa ein anderer Wolfgang (Amadeus Mozart) seiner Schwester Nannerl (Maria Anna) unvergessene Briefe nach St. Gilgen, wenn er sie nicht besuchen konnte, so siedelten sich Schauspieler und bildende Künstler in Strobl an, und so beherbergte die Gemeinde St. Wolfgang mondäne Hotels, Treffpunkte der High Society der vergangenen beiden Jahrhunderte. Bereits im 19. Jhdt. verfügte der See über eine eigene Schifffahrt und die Zahnradbahn, welche die Gäste bereits seit 1893 auf den Schafberg brachte, ja und seit 1923 gab es sogar einen Linienflugdienst, erst zwischen Salzburg und St. Wolfgang, in den 30er Jahren flog die Deutsche Lufthansa die Schönen aus Film und Theater sogar aus Berlin hierher.

weisses-rc3aessl-2Und ihre Handschriften haben die Protagonisten jener Tage bis heute hinterlassen: Den Pilgern aus jenen Tagen widmete man bereits 1481 den so genannten Pacher Altar und den Altar Meinrad Guggenbichlers aus der Barockzeit (1706), der auch die Reliquien des mittlerweile heilig gesprochenen Hl. Wolfgang beherbergt … Und heilig sprechen würden viele gerne den unsterblichen Ralph Benatzky, der hier seine Operette „Zum Weißen Rössl am Wolfgangsee“ komponierte und es seit seiner Uraufführung 1930 in Berlin unsterblich machte und das 1960 mit Waltraud Haas und Peter Alexander verfilmt und ebenso in aller Welt unvergesslich wurde.

Was erwartet aber heute den Besucher einer der beliebtesten Regionen der Welt, die mit soviel Tradition aufwartet? Eine ganze Menge und auch jede Menge zeitgeistiges mit Nachhaltigkeit. Der See selbst zählt aufgrund seiner Wasserqualität zu den reinsten weltweit (und wurde dafür international auch als Referenzgewässer ausgezeichnet), wovon nicht zuletzt auch eine Artenvielfalt an alpinen Fischen, unter ihnen der seltene Perlfisch (der nur in ganz besonders sauberen Gewässern überleben kann) zeugt. Damit verwöhnt man am Wolfgangsee mit Köstlichkeiten aus dem Wasser, und seine Bewohner genießen auch noch posthum, unterstützt durch die Kunst ihrer Meisterköche, Weltruhm, abgesehen natürlich von den Salzburger Nockerln & Co., versteht sich …

kaiser-franz-josef-kopieAber auch zwischen den Mahlzeiten lässt es sich leben: Am und im Wasser garantieren Einrichtungen für Sportbegeisterte ebenso mit spannenden Attraktionen, für die Beschaulicheren pflegt die Wolfgangseeschifffahrt für faszinierende Ausflugziele zwischen St. Wolfgang, Strobl, Abersee, St. Gilgen und Ried. À propos sportlich: Ried, ebenso wie St. Gilgen im Salzburger Teil des Sees gelegen, sind zwar eine Gemeinde, aber, abgesehen vom Wasserweg, der beide verbindet, nur über den Falkenstein zu erreichen. Der sei den Wanderbegeisterten empfohlen und somit, das Linienschiff, das von Frühling bis zur Adventzeit seinen Dienst verrichtet, zu verlassen und das letzte Stück per pedes inklusive phantastischen Ausblick über die gesamte Region zu genießen. Auf diejenigen, die (im Sommer) doch eine Abkürzung via Vertikale wählen, wartet eine der höchsten Absprungrampen Europas am Fürberg (28m) um so auf dem schnellsten Weg ins kühle Nass zu gelangen.

Abgetrocknet? In St. Wolfgang gibt es das ganze Jahr über auch einiges zu sehen. Nachdem die letzten Wasserflugzeuge der schillernden Epoche ihren Dienst dann doch einstellen mussten, entschloss man sich unlängst im innovativen Scalaria, diese Tradition zumindest in Form der so genannten Air Challenge wieder aufleben zu lassen. Jedes Jahr im Frühling steht St. Wolfgang somit im Zeichen einer imposanten Flugschau, die ihresgleichen sucht. Ebenso wie auch die so genannte Wolfgangsee Classic, eine Oldtimer Rallye zur Postalm, die zu einer der beliebtesten einschlägigen Veranstaltungen zählt, führt sie doch über eine der malerischsten Strecken. Die Postalm selbst gilt als eines der größten zusammenhängenden Almenregionen Europas, ihren Namen verdankt sie der Sommerfrische der Pferde im Besitz der damaligen Post, die ebenda sozusagen während der warmen Jahreszeit ausspannten.

Erschienen in der Stadlpost vom 24. Juni 2015