1967 – A Summer Of Love

If you’re going to San Francisco,
be sure to wear some flowers in your hair.
If you come to San Francisco,
Summertime will be a love-in there.

(Scott McKenzie: San Francisco, 1967)

Heute, ein halbes Jahrhundert später, stellt man sich die Frage: Was blieb von den späten sechziger Jahren, die so massiv bis in unsere Gegenwart hineinwirken? Auf den ersten Blick fallen uns unvergessliche Musikfestivals ein, wie etwa Woodstock 1969, Monterey 1967, die Hippies und ihre Bewegung, unvergessliche Alben, allen voran das musikalische Symbol für eine Generation, „Sgt. Peppers Lonely Herts Club Band“, aber auch der 7-Tagekrieg, Vietnam, Ursache und Anlass für eine Bewegung der Auflehnung, das revolutionäre Jahr 1968 und viel emotionelles und intellektuelles Gedankengut, dem wir auch heute noch folgen.

Aber der Reihe nach: Der „Summer Of Love“ im Jahr 1967 begann bereits am 14. Jänner in Kalifornien, es hatte angenehme 19 Grad in San Francisco, und sein Geist sollte die Welt nachhaltig verändern. Als etwa 25.000 Menschen im Golden Gate Park zum ersten „Be In“ zusammenkamen, war der Anlass, gegen die zuvor verbotene Droge LSD zu demonstrieren. Das entwickelte sich allerdings zu einem Happening, das sich ganz im Sinn der Erfinder, allen voran die Dichter Allen Ginsberg und Gary Snyder, zu einem Happening kollektiver Bewusstseinserweiterung entwickeln sollte. Auf einer zuvor einberufenen Pressekonferenz kündigten die Aktivisten das Ereignis mit den Worten an: „Die Jugend wird sich beraten, gemeinsam feiern und das Zeitalter der Befreiung, der Liebe, des Friedens, des Mitgefühls und der Einheit der Menschen verkünden.“ Federführend begleitet wurden die Initiatoren und Aktivisten von Bands wie Jefferson Airplane und Grateful Dead. Der aus der Harvard University entlassene Psychologieprofessor Timothy Leary prägte den Slogan „Turn on, tune in, drop out“, der schließlich auch zum Motto dieser Gegenkultur werden sollte.

Bereits im April des Jahres lebten etwa 100.000 Blumenkinder in dem Viertel zwischen Haight Ashbury und der Bay Area und folgten Scott McKenzies Hymne, der sie einlud, wenn sie nach San Franciso kamen, „be sure to wear some flowers in the hair“, sich mit Blumen im Haar zu schmücken. Denn in diesen Monaten wurde hier ihr Lebensgefühl begeistert in die Tat umgesetzt: „Free“ war das Zauberwort und stand für Freiheit und vor allem Freizügigkeit in vielen Lebensbereichen. So genannte „free stores“ boten Nahrungsmittel und  Dinge des täglichen Gebrauchs kostenlos an, das galt auch für die medizinische Versorgung in den „free clinics“, für Gratisessen und natürlich auch für die freie Liebe in jenen Tagen. Überall fanden Lesungen statt, an allen Ecken sprossen Straßentheater aus dem Boden, und es gab Konzerte, Konzerte, Konzerte. Bereits im Frühling des Jahres, am 4. April, überzeugte sich auch Paul McCartney von der Aufbruchstimmung, flog eigens im Privatjet seines Kollegen Frank Sinatra nach San Francisco, im Gepäck ein paar Titel des damals noch nicht veröffentlichten Sgt. Pepper Albums, das zu einem klingenden Symbol für dieses Jahr und seinen Geist werden sollte und wohl auch heute noch dafür steht. Aber auch in New York machte sich dieser neue Spirit eindrucksvoll bemerkbar. Dort hatte das Musical „Hair“ Premiere, das ebenfalls das Zeitalter des Wassermanns, The Age Of Aquarius, auf sein Podest stellte, Andy Warhol, bedeutendster Vertreter der amerikanischen Pop Art, gründete in diesen Tagen seine Factory und wurde mit einer völlig neuen Sichtweise in seiner Kunst unsterblich, denn seither überschwemmen seine Tomatensuppendosen und Marilynporträts ungebrochen die Welt.

Den bedeutendsten Meilenstein in der Geschichte musikalischer Großveranstaltungen stellte von 16. bis 18. Juni das Rockfestival nahe der Stadt Monterey dar. Noch nie zuvor gab es ein Ereignis wie dieses: Bestens organisiert, gratis für 220.000 Zuschauer, 32 Bands, darunter Grateful Dead, Janis Joplin, Jimi Hendrix, Jefferson Airplane, The Who und The Mamas And The Papas, ohne nennenswerte Zwischenfälle und wurde dadurch ebenfalls zum Inbegriff des Zeitgeistes. Sogar die legendären Tage in Woodstock zwei Jahre später verblassen nach der Meinung vieler dagegen zu einem bloßen Abklatsch von Monterey.

Doch so schnell, wie dieser Sommer der Liebe begonnen hatte, so schnell ging er zu Ende. Denn am 6. Oktober trug man ihn, allen voran Allen Greenberg, mit der Veranstaltung „Death of a Hippie“  in einem Sarg zu Grabe. Damit wollte man zum Ausdruck bringen, dass die Bewegung, vor allem durch die Medien verursacht, das Hippiesein bloß noch imitiert wurde und nicht mehr gefühlt, gelebt. Der Musiker Eric Burdon veröffentlichte in diesem Jahr mit seinem Song „San Francisco Nights“ noch eine Liebeserklärung an die Stadt und ihr Lebensgefühl und wurde einer von unzähligen Künstlern, die mit dazu beitrugen, dass fortan die Musikgeschichte neu geschrieben wurde.

Doch was blieb vom Geist dieser Zeit? Leichtigkeit, Witz, Überraschungen und Selbstironie waren stets Elemente der Hippiezeit. Ein Genius, selbst durch diese inspiriert, fasste etwa seine Unternehmensphilosophie mit der künstlerischen Philosophie Bob Dylans zusammen, Apple-Gründer Steve Jobs: „Allein wie Dylan Worte aneinander fügte, so eine tiefe Bedeutung in so wenig Worten, das ist genauso, wie einen guten Computer mit ganz wenigen Teilen zu konstruieren.“

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