Unterwegs auf der Südtiroler Weinstraße

Wandern zwischen Weingärten im Herbst, Törggelen erleben beim Winzer und auf den Spuren von Ötzi.

Die Südtiroler Weinstraße zählt, versehen mit Brief und Siegel, zu den schönsten ihrer Art Italiens. Und das hat einige Gründe: Begonnen bei ihrer unvergesslichen Landschaft, begeistern sich abertausende Besucher jedes Jahr an ihrer ebenso alpinen wie auch beginnender südländisch anmutenden Pracht. Doch diese Landschaft hat uns auch ein wohlschmeckendes Mehr zu bieten. Wie der Name schon sagt, bringt der Landstrich zwischen dem Sarntal, über die Landeshauptstadt Südtirols, Bozen, bis hin nach Salurn Vielfältiges an Weinen in die Fässer der Winzer, aber es besticht auch seine unverwechselbare Küche mit ihren Köstlichkeiten. Das Stichwort heißt hier Törggelen, ein Brauch, der hier seit Jahrhunderten gepflegt wird und heutzutage für die Gastfreundschaft und die damit verbundene gute Laune steht.

Im Grunde steht der Name Törggelen auch für das Programm eines wohlschmeckenden Herbstes dieses Fleckens: Jedes Jahr trafen sich die Weinbauern der Gegend mit Wirtsleuten und Weinhändlern, um die Ernte und den jungen Wein zu prüfen. So ist es kein wunder, dass sich der Begriff vom Wort „Torggl“, respektive seinem lateinischen Vorbild „torquere“ herleitet, was so viel bedeutet wie „pressen“, also den ersten Schritt des Kelterns beschreibt. Und diesen ersten Schritt kann man auch gleich wohlschmeckend nachvollziehen: man stelle sich vor – wir kennen mittlerweile die Landschaft rund um eines der zahlreichen Dörfer, welche die Weinstraße wie Perlen an einer Kette säumen – wir haben eine Kräfte abverlangende Herbstwanderung zurückgelegt und freuen uns auf einen ersten Schluck … nein, dem Wein sprechen wir noch nicht zu, sondern wir gönnen uns einen kräftigen Schluck vom Sußer! So heißt hier nämlich der frischgepresste Traubensaft, der soeben die Presse verlassen hat und geradezu darauf wartet, dem müden Wandersmann und selbstverständlich auch der -frau beim Einkehren in eine Buschenschank das Leben zu versüßen. À popos Buschenschank: Auch diese zählen zu den Eigenheiten auf der Südtiroler Weinstraße, denn diese bezeichnen die Höfe, in denen Sußer, der junge Wein und die – dazu kommen wir gleich – typischen Spezialitäten der Region gereicht werden. Man erkennt sie daran, dass am Hauseingang der gastfreundlichen Höfe ein Strauß mit einem roten Band seine Gäste zum Hereinkommen einlädt.

Womit wir nun endlich bei der Krönung eines herrlichen Herbsttages angelangt wären, denn nah dem erfrischenden Sußer reichen hier die Weinbauern die Schätze aus ihren Kellern, und ihre hilfreichen Hände haben Schlutzkrapfen, die unverwechselbaren Knödel, Surfleisch, Hauswürstel, und Sauerkraut vorbereitet. Nicht fehlen darf hier natürlich der Südtiroler Speck, der in seiner Zubereitung ebenso streng kontrolliert wird wie der Wein, und auch ein Schnapserl zwischendurch darf natürlich nicht fehlen … Wenn dann die Sonne untergeht, meist so gegen sieben Uhr am Abend, entfachen die Bauern dann das so genannte Keschtfeuer, auf dem die lange erwarteten Kastanien der Region gebraten werden und das Festmahl und die gute Laune, die uns den ganzen Tag begleitet hat, abschließen.

Inmitten dieser Schätze, die Natur, Küche und Keller, liegt Bozen, die Landeshauptstadt von Südtirol, auf italienisch Alto Adige genannt. Bozen ist, um es klassisch auszudrücken, ein Reise wert. Hier treffen die beiden Kulturen, das deutschsprachige Tirol mit seiner Lebensart und die italienische Mentalität aufeinander. Zusammen ergeben sie ein reizendes Zusammenspiel der Kulturen. Und so trifft man auf den Straßen, ausgehend etwa vom Waltherplatz, dem Mittelpunkt der Stadt, auf zahlreiche Osterias, die schon am Vormittag einladen, auf einen Aperitif vorbeizuschauen, um sich rechtzeitig zu stärken, wenn man die Sehenswürdigkeiten dieser einzigartigen Metropole in den Bergen genießen möchte. Denn das Land beherbergt die wohl berühmtesten Bergsteiger der Menschheitsgeschichte. Und beiden wurden mittlerweile ganze Museen gewidmet.  Daher laden die Bozener dazu ein, sobald wir etwa noch dem berühmten Obstmarkt mit seiner Geschäftigkeit einen Besuch abgestattet haben, den Aufstieg zu einem der sechs Reinhold Messner Mountain Museums ebenso wie zum Archäologiemuseum, welches den viele tausend Jahre alten Ötzi beherbergt und der, wir kennen ja alle seine Geschichte, während seines Versuchs, die Ötztaler Alpen zu überqueren, einem Mordanschlag zum Opfer gefallen war. Ein Schicksal, das wir seinem Namensvetter allerdings ersparen wollen …

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.