Round Midnight

Ich musste den Kragen meines Trenchcoats hochschlagen, damit die schweren Regentropfen nicht an meinen Hals und dann abwärts gelangen konnten. Schwer hatte ich es in jener Nacht ohnehin: sie waren mir abhanden gekommen, die leichten Gedanken, und was ich an diesem Abend mit mir herumschleppen musste, dass wollte ich nicht einmal meinem schlimmsten Feind zumuten. Durst. „Round Midnight“ weiterlesen

Anna Tusbrasch

Liebe Monika!

ich meine, im Grunde ist er ein netter Mensch. Ich habe auch das Gefühl, dass er sich mehr mit mir beschäftigen würde, aber die paar Minuten in der Früh und am Abend, die sind einfach zu kurz, um da eine echte Beziehung aufbauen zu können. Und dann ist da noch der Typ aus der Elektroabteilung: Klar, mit dem muss er sich mehr abgeben, mit dem steht er dann kurz vor dem Spiegel, geht mit ihm, der brummt, durch seine Wohnung (nehme ich einmal an, denn aus diesem Badezimmer, wo du mich damals ausgepackt hattest, bin ich bislang noch nicht herausgekommen) … Naja, und dann ist das Morgenwerk getan.

Mich schaut er immer so komisch an. Am Anfang dachte ich ja noch, der meint mich, aber dann ist mir ein Licht aufgegangen: ich habe den Typen echt im Verdacht, dass er, jedes Mal, wenn er den melancholischen Blick aufsetzt, in Wahrheit ganz tief und innig an dich denkt. Und dann werde ich auch gleich melancholisch: weil ich kann ihn gut verstehen, und ich denke, wir vermissen dich beide.

Wann, glaubst du, schaust du wieder einmal bei uns vorbei? Hmm?

Viele Grüße, auf bald!
Anna, deine Zahnbürste