USB Wine

2354Oft lenken mich die Schritte hinaus in die Natur, dorthin, wo der Wind weht, die Sonne scheint und der Heurige lockt. Mit dem 31er nach Stammersdorf zu pilgern, erfrischt meine Seele ebenso, wie der 39A, denn der bringt mich nach Sievering, der 60er nach Mauer und der 38er nach Grinzing. Daheim geblieben fröhne ich gerne den ansässigen Kennern, die mir oftmals wahre Abenteuer bescheren, wenn es Veltliner, Gemischten Satz und noch nicht entdeckte Schätze zu heben gibt. Ich darf mich als engagierten Weinheber, treu der Region, treu dem Gaumen, bezeichnen.
Doch willst du in die Ferne schweifen, allein wohin?

Gut, die lokalen Conaisseure geizen nicht mit ihrem Erfahrungsschatz, bieten Mitgebrachtes aus fernen, gar exotischen Terroires dem Neugierigen zur Verkostung an, pflegen mit ihren Jüngern mehr oder weniger kundigen Umgang in der unvermeidlichen Fachdiskussion, allein, sich selbst auf die Suche machen zu dürfen, das eigene Flascherl in die Diskussion einzubringen, bleibt unsereins verwehrt. So ranken sich die Legenden um Chateuneuf du Pape, die Weingüter um die Rothschild-Dynastien, von versteckten Weingärten in romantischen, so erzählt man einander und man verblasst regelmäßig vor Neid, dem Weinbauern, wo man im Schatten des nahegelegenen Olivenhains seine Liebe zum Wein und der sich zufällig Dazugesellten zwischen Rhone und Isère, Arno und Tiber angesiedelten Schönheit gefunden hat.
Ich kenne mich da aus: Männer, Ende vierzig, meist frisch geschieden, neigen dazu, eine neue Kompetenz zu erlangen, sich an der Bar und am Tresen über neue Leidenschaften zu verbreitern – die Messlatte bleibt gleich hoch, und der Charmeur wandelt sich zunehmends zum Connaisseur, lustwandelt in Erinnerungen und worauf er vergeblich hofft.
Ein Markt, dem sich zunehmend auch die, wenn ich so nennen darf, die WWW-Branche nicht verschließen konnte und durfte. Per Mausklick um die Welt zu reisen, fremde Länder sehen und sich nicht vom Schreibtisch zu bewegen, befriedigt und stellt uns vermehrt zufrieden. Kalifornien liegt weit, seine Weingüter ebenfalls, Australien, mit dem werden wir nur verwechselt, obwohl auch ein Ableger der Familie Samolon aus Und sein Wesen treibt, Südafrika, Nona besucht mich im April, Georgien scharrt in den Startlöchern. Und auch die Schweiz versucht sich in GV. Wohin mit seinen Reiseplänen, woher mögen die nicht zu überbietenden uniquen Erfahrungen am Tresen kommen?

Nach Cybersex, Cybershopping und Cyberkommunikation ist nun Cyberwein das Gebot der Stunde. Ein französisches Unternehmen revolutioniert seit einiger Zeit die Trink- und Gesprächskultur und überrascht die Welt der weit gereisten Conaisseure um ein Instrument, das alle bisherigen Diskussionen in den Schatten stellen wird: USB Wine. Bitte überzeugen Sie sich selbst.

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