Spatzi-Post 501: Es donnert im Gebälk

Ich möchte mich bei den vielen Freundinnen und Freunden fürs engagierte Zuprosten und hoffentlich Austrinken des Schampus bedanken! Die haben mit Sicherheit dazu beigetragen, dass der neue Frühlingstag erst so beschwingt ins Land ziehen konnte. Ab und zu meldete sich zwar eine Biertrinkerin anlässlich des feierlichen Anlasses, aber das tat der Sache natürlich keinen Abbruch.

Bevor ich zum sehr heiteren Teil des Tages überleiten kann, möchte ich dem Team des Krankenhauses zu den Barmherzogen Brüdern die größtmögliche Anerkennung aussprechen, denn mittlerweile bin ich durch meine Aufenthalte hier ja schon fast Stammgast in diesem Etablissement, und noch nie hatte ich das Gefühl, nicht richtig behandelt und versorgt worden zu sein, wenn wir die Qualität des hauseigenen Krankenstationskaffees außer Acht lassen. Aber dafür gibt es ja die Caféteria, die den Vergleich mit den weltbesten Baristi nicht zu scheuen braucht.
Noch dazu bereitete mir die Krankenschwester heute morgen, nachdem ich aus dem Aufwachzimmer in die Bettenstation geliefert worden war, eine besonders große Freude. Schon bevor ich hier eingelangt war, überlegte ich krampfhaft, wie ich mich aus dieser verfluchten Liegeposition befreien konnte, bis sie mich in hinreißendem südländischem Akzent, der nach Urlaub in Kroatien schmeckte, aufforderte, genau das zu tun. Zuerst begab ich mich zugegeben angestrengt in eine sitzende Position am Krankenbett, nachher versuchte ich ein paar Schritte, unterstützt vom Ständer mit dem Tropf, bis ich es schließlich wagte, das Krankenzimmer zu verlassen und fortan durch die Hallen des Krankenhauses zu flanieren. Ich erinnerte mich an die TV-Werbung damals, als diese Aufgabe den batteriebetriebenen Männchen von Duracell zufielen, um die Kundschaft von der Qualität des Produktes zu überzeugen. Also, gnädige Frau, mein Herr, merke: der Rauscher läuft und läuft und läuft und läuft …
Unterbrochen wurde ich nur kurz vom Krankenhausbürokratismus, namens Visite und Mittagessen, wobei ich erstere gerne über mich ergehen ließ, denn die Nachrichten vom mich operiert habenden Arzt regten durchaus zur Freude an und ich zweiteres größtenteils ignorierte, weil ich mich weigerte, das Gericht zwischen Grießnockerlsuppe und Konservenpfirsichen zu definieren.
Dann veredelten den Rest des Tages die Beantwortung der vielen Glückwünsche und die unterhaltsamen Gespräche, sowie der Duracell-Marathon, begleitet von ziemlich lässiger Musik aus dem Handy am Gang. Ich entdecke beispielsweise „Buratino Senza Fili“ von Edoardo Bennato wieder, ein Album, das ich jahrzehntelang in meinem Plattenregal fast verstauben ließ, dann stöbert ich „Living In A Ghost Town“ auf, anlassbezogen unlängst wiedereingespielt von den Rolling Stones, wobei ich natürlich wusste, dass dort fast 40 Jahre zuvor bereits The Specials ihr Unwesen getrieben hatten. Daher wiederum beauftragte ich nach all den Jahren Spotify, mich quasi ein wenig in Sachen Ska schwelgen zu lassen … Wäre noch zu erwähnen, dass Edoardo einige Liedermacher italienischer Provenienz vorangegangen waren, was mich wieder an die Baristi im Haus erinnerte und den plötzlichen Appetit auf einen Espresso. Also schnappte ich mir den Peter, einen meiner beiden Zimmerkollegen, und ab ging es in die Caféteria.

Es sind an Tagen wie diesem oft die ganz kleinen Freuden, die  das Leben bereichern, weil sie gegenwärtig im Mittelpunkt stehen und nicht zuletzt der Gesundung dienen, etwa wenn‘s bei beiden plötzlich im Gebälk donnert.

3 Gedanken zu „Spatzi-Post 501: Es donnert im Gebälk“

  1. Lieber Wolfgang,
    freue mich unendlich, dass es Dir wieder gut geht, Du gesundest und wünsche Dir weiterhin liebe Krankenschwestern mit Akzenten, die an schöne Urlaube erinnern. Auch so kann man eine kleine Weltreise machen … Eine meiner früheren guten Freundinnen hat sich während ihrem Krankenhausaufenthalt dort mit einer indischen Ordensschwestern angefreundet und hat dann deren Stammhaus als Fixpunkt während einer Indienreise gewählt (und den Schwestern auch anständig gespendet).
    Alles Liebe und alles Gute und Gesundheit !!!
    Waschküchenbenutzerin #13

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