Rudi Wilfer

Und es bestimmte nicht nur sein Leben, sondern sein Spiel beeinflusst mittlerweile auch Generationen von Jazzfreunden und Musikerkollegen, und Rudi Wilfer zählt auch heute noch zu den Großen drei der Jazzpianisten, die das Land hervorgebracht hat. Ihm und seinen Kollegen Fritz Pauer, sowie Joe Zawinul ist es nicht zuletzt zu verdanken, das Wien und wohl auch Österreich seit den Nachkriegsjahren sich zu Schmelztigeln ambitionierter und innovativer Jazzmusik entwickelten. In den Hot Spots, allen voran in Fatty’s Saloon, gaben einander internationale Größen sozusagen die Klinke in die Hand, und als Joe Zawinul sein Glück fortan in den Staaten finden sollte, war es Rudi Wilfer, der ihn als der mittlerweile gefragter Pianist nicht nur beerbte, sondern dem Club, den Duke Ellington einmal als „den schönsten Club der Welt“ bezeichnete, und somit der heimischen Szene seinen Stempel aufdrückte. Unvergessen war auch das legendäre Rudi Wilfer Trio, das er bereits in den 60er Jahren gründete und somit im Rahmen seiner internationalen Tourneen und  Schallplattenaufnahmen die Qualität der österreichischen Lesart des Großen Songbooks vermittelte. Davon zeugen auch ein Who Is Who, mit denen Rudi Wilfer gemeinsam spielte. Namen wie Quincy Jones, Duke Ellington, Count Basie, Luis Armstrong, Art Blakey, Stan Getz, Jimmy Heath, Ella Fitzgerald, Lionel Hampton, wurden zu gegenseitigen Quellen der Inspiration, die nicht zuletzt auch dazu beitrugen, dass Jazz hierzulande zu einer beliebten Alternative zur den gewöhnlichen Hörgewohnheiten wurde.
Als Komponist widmete er sich immer wieder der sakralen Musik. So gelangte etwa sein erstes Werk mit der „Sankt Michaeler Messe“ unter der Leitung von Erwin Ortner mit dem Arnold Schönberg Chor und dem Rundfunkorchester zur Uraufführung. Unvergessen auch sein Orgelwerk „Tropfsteine“ oder „Für den Frieden singen“, das  1984 im Salzburger Festspielhaus erstmals aufgeführt wurde, gefolgt von seiner Oper „Christian“.
Es wundert bei dem lebenslangen Engagement für seine Kunst nicht, dass ihn stets Preise und Auszeichnungen begleiteten. Internationale Reputation verschaffte ihm etwa der „Concours international de composition de theme de jazz“ von Monaco, den er seinem Freund Joe Zawinul mit der Komposition „For Joe“ widmete. 2001 wurde er mit dem Goldenen Verdienstkreuz des Landes Salzburg geehrt, und schließlich folgte 2008 das Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst, das, stellvertretend für so viele Stationen und Meilensteine seiner Karriere, das Bild des großen zeitgenössischen Baumeisters österreichischer Musikgeschichte eindrucksvoll abrundete.
Schließlich war und ist es ihm auch stets ein Anliegen, sein Wissen auch an die nächste Generation weiterzugeben. Diese Aufgabe erfüllte er mit seiner Professur für Jazzpiano und Improvisation am Konservatorium der Stadt Wien, wo er seine Studenten maßgeblich beeinflusste. Diese väterliche Leidenschaft lebt er auch mit seinem Sohn Felix, zu dessen Instrument, nachdem er natürlich erst auf dem Klavier reüssierte, bis dieser die Violine auserkor, mit dem gemeinsamen kammermusikalischen Projekt „Wilfer & Wilfer“. Die beiden bringen es zuwege, die Genres zwischen E und U spielerisch und symbiotisch zu verbinden und gehen, im Dialog zwischen den Generationen, neue, beachtenswerte Wege.

Aktuelle CD: Somewhere