Morgenpost vom 23. Dezember 2016

Wolfgang Rauscher                                          Heute 8:37
An: Christa Ransmayr
Re: Morgenpost

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Guten Morgen!

115408878Ich glaube, jetzt ist gerade das Christkind vor dem Fenster vorbeigeflogen! „Zisch!“ hat’s gemacht, und plötzlich breitete sich ein Duft von Weihrauch im Zimmer aus, ein Chor von Engelscharen hob an „Fröhlicher die Hirten nie singen“ anzustimmen, und ich schob mir ein Vanillekipferl zwischen die Zähne.
Aber im Ernst: Heute macht sich so richtig Weihnachtsstimmung breit, und zwar in Form der umfangreichen Vorbereitungsarbeiten. OK, diese halten sich in Grenzen, aber immerhin bin ich als x-mas-Mundschenk für die Organisation der Getränke zuständig, heute geht’s los, mit dem Verpacken der Weihnachtspackerl und dem Schreiben der persönlichen Weihnachtsgeschichten, was hier mittlerweile zu einer beliebten Tradition avanciert ist. Stell dir vor, wenn ich dann jemanden nicht bedacht haben sollte, werde ich sogar gerügt! Gestern habe ich auch ein Weihnachte-Rundmail ausgeschickt, das sehr gut angekommen zu sein scheint. Völlig untypisch haben sich bis jetzt auch schon einige Menschen gemeldet, und sich für die lieben Zeilen bedankt … eine Bekannte hat sie sogar als „das liebste Mail bezeichnet, das sie in diesem Jahr erhalten hätte“, und die Nona, die ich einmal – sie ist Südafrikanerin – während ihres Einaufenthaltes in Wien kennengelernt hatte, verspracht, dass wir uns im April treffen, wenn sie wieder im Lande ist.
Gestern war Blues-Abend auf Sandras Weihnachtsmarkt. Aufgespielt hat Erik Trainer solo, den haben wir damals mit seiner Formation „Mojo Blues Band“ in St. Pölten gesehen, wenn du dich daran noch erinnerst. Ich habe aber W.O. gegeben, auf Blues hatte ich gestern keine Lust. Mehr schon auf den Rest der Weihnachtsbäckerei, und die habe ich auch genossen.

Die Erfahrung zum Tag, was die Nachwehen der Rottung betrifft, war wieder einmal, dass, egal, von welcher Seite man es betrachtet, der Alk ausschließlich ein Wohlfühlhemmer ist, nur scheinbar unterbrochen vom Akt des Schöntrinkens entbehrenswerter Situationen etc. Nachdem das aber schon in der Aktivphase nichts genützt hatte (siehe Reportage von gestern), auch mit fünf Achtel in der Birne nicht und einem Vergessensbier am Heimweg, meldete sich doch am nächsten Tag die übliche depressive Katerstimmung, aus der zu erwachen immerhin den halben Tag andauerte. Abends, als dann die gute Laune wieder eingekehrt war, genoss ich meine heilige Ruhe, genehmigte mir auch ein Achterl, aber das war’s dann eigentlich schon, mit dem Ergebnis, dass man heute, trotz Wiener Nebelsuppe, dem Tag wieder mit Freude und energiegeladen begegnen will.

Szenenwechsel: Jetzt wird’s wieder Zeit für ein doppeltes zusammengesetztes halbes Hauptwort, die Komposita, die tägliche Übungsgeschichte. damit das Hirn nicht einschläft. Also werde ich mich gleich auf die Suche begeben und hoffe, dich, der Blog-Abonnentin, später am Tag mit einer mehr oder weniger lustigen Geschichte beglücken zu dürfen. Im Moment spuckt die Wörtersammlung an der Glastüre allerdings noch keine Idee aus, Vielleicht machen ich es wie meine Schreibschulkollegin, die einfach ein Buch aufschlägt, ein Wort willkürlich antippt und daraus eine Geschichte bastelt. Oder man sucht sich einen Zeitungsartikel und schreibt ihn, seiner Phantasie folgend, einfach um. Auf diese Weise hatte durch ihre Feder Österreich am Dienstag Österreich schon wieder den Eurovision Song Contest gewonnen.

Wie läuft’s bei dir? Bist du Herrin der Lage? Haben die Burschen schon die Ärmel aufgekrempelt und stellen den Christbaum auf? Jetzt wird es auch Zeit, eventuelle Kriegsbeile zu begraben und die Friedenspfeife hervorzuholen, damit die Querelen des Alltags ausgeräumt werden und man sich auf einen schönen Abend morgen freuen kann. Ich habe für die beiden Streithähne in der Herminengasse auch eine besorgt und bereite dann auch die passende Weihnachtsgeschichte für die beiden streitbaren Indianern vor, damit das tägliche Hickhack ein Ende nimmt. Gras habe ich auch besorgt, also stehen die Chancen gut, dass man einem entspannten, gaaaanz entspannten Abend, entgegenblicken kann.

Dir wünsche ich gutes Gelingen!
Busserl,
Wolfgang


Wolfgang Rauscher
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