Morgenpost vom 16. Jänner 2017

Guten Morgen!

unknownDass ich den Freitag, den 13. ausgelassen habe um zu berichten, hat keinen besonderen Grund. Obwohl, ich erinnere mich, er schon Züge aufwies, die ihm ansatzweise gerecht werden hätten können. Aber der Auftakt dazu erfolgte eigentlich schon einen Tag davor.

Anscheinend hatte ich etwas gegessen, das mir nicht gut getan hatte, der Magen revoltierte, ich war im böse. So entschloss ich mich nach all den Jahren erstmals wieder, mir einen Underberg zu genehmigen, eigentlich waren es zwei, dann redete ich mir ein, dass es mir schlagartig besser ging. Ich hatte noch einen Text für Bela zu schreiben, was ich bei einem kühlen Blonden auch anstandslos erledigte, dann folgte die Idee, noch einen in Angriff zu nehmen, Text natürlich, nicht Underberg, allerdings im Brendl, wo sich ein zweites Blondes hinzugesellte. Dann gesellte sich auch Andi hinzu, der mich auf ein drittes einlud. Und schließlich rundete ein viertes den Abend ab, ich wollte mit dem Schreiben ja weiterkommen. Demnach verfiel ich, wieder zu Hause, nächtens in einen weitgehend traumlosen Schlaf, wachte am Freitag, den 13., eher tumb im Kopf auf und verbrachte mit ihm einen zugegebenermaßen rekonvalenzenten Tag, der mir außer einem müden Dasein eigentlich nichts bescherte. Pech gehabt.

Umso energiegeladener präsentierte sich aber der Samstag und das Wochenende! David erwartete mich schon, fertig adjustiert und zum Aufbruch für den Sport bereit, was mich zusätzlich befeuerte und war Auftakt zu einem feinen, kulinarischen Samstag im Kreis der Familie. Denn am Abend sollte es mûles geben, zwar nicht mit frites, sondern in Weißweinsud, erstmals zubereitet zu Hause, unter der Obhut von Dagmara D., die sich im Lauf des Nachmittags eingehend über die Vorgehensweise und Zubereitung im Netz informierte. Ich meinerseits nutzte diesen inzwischen zur Lektüre eines Manuskriptes, das mir Andreas vor einiger Zeit zum Lesen geschickt hatte, mit den Titel „Das verdammte Manuskript“. Klang vielversprechend, was ich mir für dieses Wochenende vorgenommen hatte, doch davon später.
Gegen fünf, bewaffnet mit zwei frischen Baguettes, die noch zu besorgen waren, traf ich in der Arena ein und kam sogleich in den Genuss der traditionellen und unvermeidlichen Zeremonie, die es abzuspulen gab, sobald ein neues Gericht anstand, ausprobiert zu werden. „Miesmuscheln werde ich nie mehr zubereiten,“ klagte sie, die meisten wären kaputt, wie sie meinte, denn sie präsentierten sich mit weit geöffneten Schalen, was auf einen postmortalen Erstkontakt mit den Delinquenten hinzuweisen schien. Gut, nachdem sie aber auch herausgefunden hatte, dass man den Qualitätstest vornahm, indem man die Lebenden durch Klopfen derselben motivierte, sich wieder zu schließen, bestand meine erste Aufgabe in der Küche darin, mich darum zu kümmern. Die meisten bestanden erwartungsgemäß den Test, schlossen sich und freuten sie sich wohl schon darauf, bald ihren letzten Gang anzutreten. Fein herausgeputzt, versteht sich. Das bedeutet Schrubben, und auch das wurde von lautem Motschgern der Chefin begleitet, „Heidenarbeit“, bevor wir uns daran machten, den Sud vorzubereiten. Jungzwieberl wurden geschnitten und Karotten, Petersilie gehackt, Knoblauch gepresst. Dazu gesellte sich ausreichend Gemüsefonds und Weißwein, abgeschmeckt mit Thymian, Salz und Pfeffer. Und das war’s dann auch schon. Das ganze wurde ordentlich geköchelt, Unmengen von Muscheln gesellten sich in den Topf dazu: „Das wird nie etwas,“ war Dagmar überzeugt, und „so etwas tu ich mir nie wieder an.“ Um es kurz zu machen. Der weitere Verlauf des Abends entsprach ebenso den Usancen wie das Lamento im Rahmen der Vorbereitungen: Die Qualität der Muscheln stellte sich als hervorragend heraus, alle öffneten sich ordnungsgemäß und zerstreuten so die letzten Befürchtungen einer Vergiftung zum Opfer zu fallen, dem Weißweinsud wurde zu recht das Prädikat „schmatz“ verliehen, die Töpfe quollen über, und wir dezimierten deren Inhalt innerhalb kurzer Zeit, immerhin fast drei Kilogramm. Mit vollen Bäuchen leerten wir den Rest der Flasche vom Gemischten Satz und waren mit der Welt rundum zufrieden.

Den Sonntag widmete ich, wie gesagt, der Lektüre des Manuskriptes. Ich gebe zu, dass ich nicht als die Leseratte im herkömmlichen Sinn gelte, doch wenn mich ein Buch packt, dann lasse ich es nicht mehr los. Nach dem Einkauf gönnte ich mir ein spätes Frühstück im Café der Urania und begann somit mein Tagwerk, das ich anschließend aufs Sofa verlegte und nicht beendete, bis ich der letzten Seite ihr Geheimnis entlockt hatte. Für einen Freitag, den dreizehnten samt Peripherie kein schlechter Ausgang, oder?

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