Morgenpost vom 12. Jänner 2017

Guten Morgen!

1309_0Der Blick aus dem Fenster und aufs Thermometer lassen das Herz lachen: Sonnenschein und Plusgrade versprechen, dass man das Haus heute nicht dick vermummt verlassen muss. So wie der Blick auf die Details, die ein Tag, auch wenn er so gar nicht besonders scheint, doch stets einige Schätze birgt, wenn man sie nur erkennen möchte und auch bereit ist, diese zu heben.

So geschehen gestern, denn da stand, wie angekündigt, die hippokratische Rallye mit den Stationen Augen- und später praktischer Arzt auf dem Programm. Das versprach lange Wartezeiten und Fadesse. Zum Teil war es dann auch so, und auf die Spiele am Handy werde ich als Ablenkung wohl lange nicht mehr zurückgreifen, denn die strapazierte ich im Lauf der Stunden ausgiebig. Doch auch das ging vorbei, und ich kann, abgesehen davon, dass wieder einiges erledigt wurde, auch einen Antrag für einen Kuraufenthalt in die Erfolgsbilanz einbringen, auf zwei anregende Gespräche mit den Ärztinnen zurückblicken, vor allem mit Michaela, bei der ich jedes Mal, wenn ich sie im Halbjahresrhythmus konsultiere, den Eindruck habe, wir sollten uns einmal einen Abend vornehmen, an dem wir etwa gemeinsam Essen gehen und ihn nutzen, um ausgiebig die vergangenen Jahre aufzuplaudern. immerhin kennen wir einander schon sehr lange.

Spannend gestaltete sich auch die nächste Station, die Bank. Wir erinnern uns, vor Weihnachten, als ich für David einen einfachen Golddukaten erwarb, den ich ihm zum Geschenk machen wollte, verrechnete mir die Kassierin allerdings den Preis eines vierfachen. Das hatten wir allerdings erst letztes Wochenende bemerkt, als wir uns über den aktuellen Goldwert informierten, und so begann am Montag ein Spießrutenlauf, um die Differenz wieder zurück zu bekommen. Im Grunde meint der Laie, das sollte keine große Schwierigkeit darstellen, denn immerhin handelt es sich ja um die Erste Bank, da sollte man auf Pannen wie diese entsprechend vorbereitet sein. Doch weit gefehlt. Peinlichkeit machte sich breit, denn man konnte von einer Unregelmäßigkeit nichts entdecken, und an Böses zu denken, das wagte vorerst noch niemand. So vertagten sich die Filialleiterin und ich ein weiteres Mal um eine Lösung zu finden, ich bin neugierig, was die nächsten Tage diesbezüglich bringen. Ich empfinde dieses Erlebnis ebenfalls als Schatz, der mir gegönnt war, ihn zu heben, denn, sieht man vom Sachverhalt ab und blickt unter die Oberfläche, durfte ich schöne Szenen des respektvollen Umgangs miteinander erkennen, anstatt durch cholerische Ausbrüche letztendllich zu verhindern, eine für alle konstruktive Lösung zu erarbeiten.

Den Hauptschatz des gestrigen Tages stellte allerdings die Vorbereitung für die Texte, die ich zu Belas Jahresprogramm zu schreiben habe. Wieder hat er einiges Neues in Vorbereitung. Einen Abend will er etwa mit dem ehemaligen Solocellisten der Wiener Philharmoniker, Franz Bartolomey, gestalten. Als er mir das am Samstag mitteilte, musste ich spontan schmunzeln, denn hätte nicht alles, was man im Lauf der Jahre so erlebt, seinen Sinn, mit dem Bartolomey hätte ich mit Sicherheit nichts anfangen können. So aber erinnerte ich mich an die sicher nicht prickelnde Zeit mit Martin Rummel bei paladino music, erinnerte mich daran, dass Bartolomey 2012 seine Memoiren veröffentlicht hatte, die ich damals auch erwarb (aber nicht gelesen habe) und worin ich gerade blättere. Eine andere Welt tut sich auf. Sie gibt Einblick in eine Philharmonikerdynastie in der vierten Generation, ein Universum ebenso beschaulichen wir schillernden Lebens, getragen vom imperialen Geist der Ringstraßenpalais.

Und an diese denke ich soeben auch, wenn ich mir die großzügigen Wohnungen dort vorstelle, mit ihren Salons und ihren Abenden, wo man Hausmusik mit elegantem Publikum veranstaltet, mit Speisezimmern, gedacht für Soirées mit vielen Gästen und schließlich auch die weitläufigen Bäder, um sich der anspruchsvollen Körperpflege zu widmen. Und dann freut es mich, dass mich eine so genannte Briefmarke beherbergt. Denn bekanntlich ist der kälteste Platz der Erde nicht der Nord-, nicht der Südpol, sondern der Weg von der Dusche zum Handtuch, um sich abzutrocknen. Und der ist in meinem Bad denkbar kurz.

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