Komposita: Schwanzkraft

Das hat er sich wohl anders vorgestellt, der David, als er meine zahllosen Post Its an meiner Türe gesehen hatte, mit dem Zweck, aus zwei einfachen Hauptwörtern eine neues, zusammengesetztes Hauptwort zu kreieren. Das nennt man auch Komposita, dient als literarische Schreibübung zur Disziplinierung, und ich versuche, diese auch regelmäßig zu absolvieren. Heute habe ich zwei Anregungen bekommen, eine davon ist diese.

Seit mittlerweile beinahe dreißig Jahren begleiten Dagmar (sie sogar schon länger), David und mich Rauhaardackel im Leben und von deren Schwanzkraft sind wir uneingeschränkt überzeugt. Sie, alles Damen übrigens, hießen Tina, Kleopatra (wegen ihrer schönen Nase), Vroni (sie kam aus Oberösterreich, und die Assoziation, sie sich im Dackeldirndl vorzustellen, war natürlich bestechend) und Rosi, die uns hoffentlich noch lange Freude bereiten wird.

Tina thronte nächtens auf ihrem Fauteuil, verschlief den Abend in aller Ruhe, doch wenn ich mich dann doch bequemte, nach Hause zu kommen, ließ sie es sich nicht nehmen, mich mit einem lautstarken Gesang zu begrüßen. Und der Schwanz, der wedelte, war selbstverständlich äußerer Ausdruck ihrer Freude, die sie, bevor es natürlich zum Kühlschrank ging, zum Ausdruck brachte. Ich lernte sie zwar erst kennen, als sie, erwachsen, schon zur richtigen Dame gereift war, aber Dagmar ohne Hund, das konnte ich mir schon damals nicht vorstellen. Und ich liebte sie natürlich beide.

Kleopatra, die mit der schönen Hundenase, die sich in die Reihe nicht wirklich einfügte, fand ihren raschen Tod durch eine Giftattacke im Augarten. Sie war noch nicht einmal erwachsen als sie anscheinend, immer hungrig, und auf der Suche nach etwas Essbarem, diesem Attentat zum Opfer fiel.

Aber dann trat Vroni (Veronika) in unser Leben. Der erste Eindruck, und der gab ihr wohl auch ihren Namen, sie stammte aus Oberösterreich, ließ uns die Assoziation mit Brauchtum, Dackeldirndl und vor allem St. Wolfgang, wo Dagmar und ich unsere Hochzeitsreise verbracht hatten (aber das ist ein anderes Thema) hochleben und so holten wir sie von der Züchterin ab und ebenso ab ging’s mit Vroni in den ersten Urlaub an den Wolfgangsee. Sie wußte um ihre Geschäfte in der Wiese vor der Pension in Rekordzeit, erklomm sogar den Falkenstein („Kein wunder, sie hat ja Allradantrieb“, bemerkte ein bayrischer Tourist) mit Bravour und meisterte in ihren jungen Tagen mit Beifall der Passanten das An-der-Leine-Gehen. Vroni begleitete uns, mit stets hoher und wedelnder Rute, wenn ich das so sagen darf, beinahe 17 (!) Jahre unseres Lebens, war zweite Mutter von David, der erst ein Jahr später als sie zur Welt kam, und den sie spontan in ihr Hundeherz geschlossen hatte, war stets zur Stelle, wenn der Kühlschrank auch zu später Stunde, kaum, dass er geöffnet wurde, ihr Lebenselixier versprach, stets zu Sport bereit, wenn es ums Wandern ging oder um eine Joggingrunde im Augarten, stets ein gern gesehener Gast im gemeinsamen Bett, dass sie selbstbewusst mir uns teilte.

Und jetzt kam sie: Rosi (Roswitha natürlich), der Glanz des täglichen Lebens. Ein Ausbund an Schwanzwedeln, ein unwiderstehlicher Kraftakt an Sympathie. Einfach lieb. Einfach zum Abknuddeln, Sie begrüßt dich, wenn du im Stiegenhaus das erste Stockwerk erklimmst, sie legt dir ihre Spielsachen zu Füßen, mit denen du dich, gemeinsam mit ihr, wohlfühlen solltest, sie freut sich, wenn du sie streichelst, sie genießt anscheinend ihr Leben mit ihren Freunden. Und davon hat sie auch viele: die Trafikantin, die sie regelmäßig besucht und dort das Leckerli nicht auf sich warten lässt, ebenso wie die vielen Stationen im Grätz’l, die sie absolviert und mit ihrer Liebenswürdigkeit begeistert. Und gescheit ist sie auch: Davon kann vor allem David berichten, der ihr Kunststücke beibringt, die sie gerne, wenn das Leckerli folgt, nach seinen Wünschen in die Tat umsetzt.

Resümée: Die Kraft des wedelnden Schwanzes eines Rauhaardackels ist durch nichts  zu ersetzen. Er spendet Freude, Lässigkeit und schafft Wohlbefinden. Er erfreut uns, dass es ihn gibt und spendet uns Kraft, sie mit ihm zu teilen 🙂

2 Gedanken zu „Komposita: Schwanzkraft“

  1. Eine liebevolle Ode an Eure Dackel.
    Jetzt frag´ ich mich nur:
    Ist das Resümée auch auf Hochwasser-Nichtrauhaar-Dackeline Fanny Rose und – ein besonders schwieriger Fall- Ohnschwanzhund Aaron übertragbar?
    Wie so oft: Fragen über Fragen.

    Mit herzlichen Grüßen an Rosi und den Verfasser!

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