Miniaturen: Komposita IV

Stichstoff

arche_noahEs war ein vielversprechender Frühling, damals nach dem Großen Regen. Noah steuerte schließlich seine Arche in seichtere Gewässer, die zahlreichen Tiere, die er damals eingesammelt hatte, warteten ungeduldig auf die Landung in einer neuen, verheißungsvollen Welt. Kaum, dass das große Schiff angelegt hatte, beeilten sie sich, den engen Kasten, denn so empfanden sie ihn nach der langen, entbehrungsreichen Zeit, stets unter Deck, denn sonst hätten sie Stürme, mannshohe Wellen und wahrhaft sintflutartiger Regen längst von Bord gespült und sie hätten wohl ein erbarmungswürdiges Ende genommen … Sie verließen also in höchster Eile und voller Erwartung das Schiff und machten sich auf die Suche nach ihrer neuen Heimat, einem Platz, wo sie ihr neues Leben beginnen wollten.
Zuerst fanden die großen Tiere, also etwa Elefant und Nashorn ihre Steppen, die ihnen ausreichend Auslauf boten, hier und da eine fruchtbare Wasserstelle, wo sie ihr Schlaraffenland in Form von üppigem Pflanzenwuchs fanden, der ihnen gleichsam ein wohlschmeckendes Menü für alle Tageszeiten darstellte. Oder werfen wir ein Auge auf die lustigen Affen in ihrer Artenvielfalt! Sie eroberten sich die Höhen der frisch in den Himmel sprießenden jungen Wälder, die sie gerne bevölkerten, gaben sie ihnen doch Schutz vor der gleissenden Sonne, den schweren Regentropfen, die sie manchmal heimsuchen wollten und nicht zuletzt den neuen Herrschern im Tierparadies, den Königen, den räuberischen Löwen.
Hoch obern schwirrte eine Heerschar aus vollem Hals singender Vogelwelt, und auch weit unten im Erdreich verborgen fristete allerlei Getier ein beschauliches Leben, geschützt von Licht der grellen Sonne und den für sie so gefährlichen Jägern über Tag.
Angezogen von der üppigen Blumenpracht, die das Land überzog, fanden sich auch zahlreiche Bienenvölker ein, welche, scheinbar flugs von Blüte zu Blüte flanierend, diesen dienstbare Geister waren, auf dass sie ihrer Pracht vermehren Konnten und überdies aus deren süßen Nektar zu Hause im Bienenstock den süßen Honig herstellten, Das gefiel auch den Leckermäulern unter den anderen Tieren. Angezogen vom Duft des Honigs, der Wohlschmeckendes versprach, waren sie nicht faul und stahlen ihn den fleißigen Bienen, so dass bald Not herrschte in ihren Völkern und sie darauf sannen, dem räuberischen Treiben von Petz und seinen Kumpanen das Handwerk zu legen. So war es Adelheid, die Weise unter ihnen, die einen Ausweg fand. Obschon sie auf ihn in ihrer Sammelleidenschaft schon beinahe vergessen hatten, besann sie sich auf ihren giftigen Stachel, den einzusetzen sie vor der Großen Flut wohl einzusetzen gewusst hatten, als auf der Welt noch Zank und Hader, Neid und Missgunst herrschte. „So soll es also wieder sein,“ seufzte Adelheid, und fortan schrieen Petz und seine Kumpane laut, wenn sie diesen zu spüren bekamen und suchten daraufhin schnell das Weite.

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