Dankeschön Peter, du warst bezaubernd!

imagesIhm war der Komödiant im wahrsten Sinn des Wortes bereits in die Wiege gelegt, obwohl seine Eltern zuvor andere Pläne mit ihm hatten: Medizin sollte er studieren, der Bub, aber das überließ er wohl besser seinem späteren Kollegen Gunther Philipp, der es sich dann aber auch anders überlegt hatte und mit Peter Alexander fortan das Publikum mit ihrer unwiderstehlichen Komik begeisterte. Schon als er die Schule verließ, die er auf Geheiß des Vaters in Znaim abschloss, widmete er diesem „Wie Böhmen noch bei Österreich war“ (mit geradezu prophetischer Sicht auf eine seiner Paraderolle als „Der brave Soldat Schwejk“), tausche die Schulbank gegen die Bretter der Welt auf dem renommierten Max-Reinhard-Seminar, das er mit Auszeichnung meisterte und ergatterte alsbald erste Auftrittsmöglichkeiten am Wiener Burgtheater. Diesem kehrte er aber bald den Rücken, weil er erkannte, dass seine Stärken wohl eher im Entertainment, im Gesang und im Jazz lagen, der gerade in den Nachkriegsjahren eine Hochblüte in den deutschsprachigen Landen erlebte.
Marikka Rökk, mit der er einmal drehte, erkannte das damals junge Talent und meinte: „Langer, du wirst machen eine steile Karriere. Glaube mir, Marikka täuscht sich selten!“

Und bald wurden auch schon die ersten Schallplattenfirmen auf ihn aufmerksam, seine erste Aufnahme „Das machen nur die Beine der Dolores“ hob ab wie eine Rakete, die zum Auftakt für einen beispiellosen Erfolg als Sänger werden sollte. Alleine in Deutschland war er 80 Mal in den Top 100 vertreten, seine Platten verkauften sich, so schätzt man, über 45 Millionen Mal. Und wen wundert’s daher, dass „Die kleine Kneipe“ (österreichisch: „Das Kleine Beisl …“), „Hier steht ein Mensch“, oder bereits Jahre zuvor „Delilah“ auch heute noch Volksliedcharakter genießen!
Neben seinem Talent, das er, als er es erkannte und wohl schon seit seinen Jugendtagen leidenschaftlich auslebte, zählte wohl auch seine große Liebe und Leidenschaft für „Schnurrdiburr“, seine Frau Hilde, zu den Geheimnissen seines Erfolges. Als sie einander fanden, war sie selbst eine junge Schauspielerin, die ihre Karriere für Peter, dem größer werdenden, opferte und sich, stets an seiner Seite als Managerin für ihn einsetzte. Sie galt als harte Verhandlerin, als strenges Auge und Ohr, wenn er sich den Medien stellte, wohl der Fels in der Brandung, den es braucht, in einer Welt des Glamours und der Versuchungen zu bestehen. Sie selbst meinte einmal dazu: „Grundsätzlich bin ich schon eifersüchtig. Aber Peter interessierte sich nicht für andere Frauen. Außerdem hätte er auch gar keine Gelegenheit dazu gehabt, ich war ja ständig in seiner Nähe. Nicht, weil ich auf ihn aufpassen muss, sondern weil er es will.“

Im Jahr 1960, nach den ersten Kinoerfolgen „Die süßesten Früchte“, oder „Die Beine der Dolores“  verschlug es Peter Alexander, gemeinsam mit Waltraud Haas an den Wolfgangsee. Mit der Verfilmung der Operette „Zum Weißen Rößl“ gelang den beiden ein nicht nur ein unvergessener Erfolg, sondern auch, wie sich fast sechzig Jahre nach Erscheinen noch nachprüfen lässt, ein ewiger Renner, zumindest an der Kinokassa in St. Wolfgang, wo die Geschichte um die aparte Rößlwirtin und ihrem Kellner Leopold immer noch aufgeführt wird.
Waltraud Haas widmete Peter Alexander aus damals traurigem Anlass eine Hommage: „Ein Kollege, wie man ihn erträumt / Von höchster Perfektion / Und nicht nur musikalisch / Bedacht auf guten Ton / Ein Alte Schule Kavalier / aus längst vergang’ner Zeit / Mit tiefem Ernst / Doch auch dafür / Zu jedem Spaß bereit.“

Und auch auf dem Fernsehschirm war Peter der Große einer, der Geschichte schrieb. Die „Peter Alexander Shows“ zählten zu den absoluten Straßenfegern, die Einschaltquoten erreichten Fußball-Länderspielniveau, seine Gäste zählten zur Crème de la Créme der deutschsprachigen Unterhaltungszene. Leckerbissen seiner Shows stellten etwa die Persiflage großer Kollegen dar, unter anderen war es der unvergessene Volksschauspieler Hans Moser, der es ihm in jeder Hinsicht angetan hatte, den er nicht nur vortrefflich imitierte, sondern vor allem verehrte. Einmal traf er ihn gemeinsam mit Schnurrdiburr zufällig in einem Wirtshaus und konnte nicht aufhören, dessen komödiantische Kunst zu loben, ohne sich zu entschuldigen, dass er den als ewigen „Grantler“ bekannten möglicherweise stören könnte. Dieser erwiderte aber geschmeichelt: „Nein, lieber junger Freund, loben Sie mich nur weiter. Ich habe das durchaus sehr gern.“

Als er sich schließlich zu Ruhe setzte, konnte er auf ein Leben zurückblicken, in den er seine Millionen Freundinnen und Freunde auf der Bühne, auf den Kinoleinwänden, in den großen Konzerthallen, via TV und Schallplatte begeistert hatte und nahm seinen neuen Lebensabschnitt ebenso ernsthaft: „Ich habe meinen Beruf über fünfzig Jahre ernst genommen, jetzt nehme ich meine Pension, meinen Ruhestand, ernst.“ Und auch Christiane Hörbiger streute ihm Rosen: „Er hat sich seinem Publikum nie an den Hals geworfen und war nie ein Rampenakrobat. Trotzdem hatte er die Menschen vom ersten Moment des Erscheinens auf seiner Seite.“

erschienen in der Stadlpost vom 5. Juli 2016