Ich bin krank

Nun ist der Kelch anscheinend auch an meiner Adresse eingelangt und hat sich nicht dafür entschieden, ohne anzuklopfen weiterzuziehen. Erst kitzelte es im Hals, und dieses Kitzeln entwickelte sich, Unheil verheißend, zu einem waschechten Husten. Dann meldete sich erwartungsgemäß die Nase, die zu laufen begann. Aber sie lief nicht davon (was auch irgendwie lustig gewesen wäre anzusehen), sondern bereicherte ihrerseits sich selbst mit den Besuch eines Schnupfens, der mir mittlerweile neben der ersten Epidemiepackung Taschentücher enorme Leidensfähigkeit abverlangt. Denn, wisse, es handelt sich natürlich um den berüchtigten Männerschnupfen!
Nun, somit werde ich mich auf ein weitgehende ruhiges Wochenende einstellen, das ich mit aspirin komplexx, heißen Packerlsuppen und Tee, Kreuzworträtsel und schließlich einem beginnendem Lagerkoller verbringen werde. Schön fad. Aber vielleicht geschieht ein Wunder und die Fee reicht mir das goldene Zaubertaschentuch, das mir dabei hilft, dorthin sämtliche Bazillen zu verbannen, und ich erstrahle sofort in ungetrübtem, jugendlichem Glanz.
Und dann ist er von seinem Hustenanfall aufgewacht, hat sich trompetengleich geschneuzt, hat sich sich am heißen Tee die Zunge verbrannt und sich eingewickelt in dicke Decken und einer großen Portion Selbstmitleid.

Abschied von Heinz Schandl

Als ich zu Beginn des Jahres Heinz auf einem Kunstmarkt im Grätzl kennen lernen durfte, haben sich, wie man so schön bei uns sagt, zwei gesucht und gefunden. Wie gesagt, ich hatte ihn zuvor noch nie gesehen, und so gefiel mir der schlanke, etwas hagere ältere Herr mit seinem eleganten Auftreten vom Fleck weg und daher suchte ich hier, wo sich einige Leute zum Tratsch mit Gehalt trafen, sofort das Gespräch mit ihm. Und ich wurde nicht enttäuscht: klar, zu Beginn klopft man einander ab, versucht, sich über  seine Ansichten, seine Meinungen, dem einen oder anderen Sager spontan ein Bild von seinem Gegenüber zu machen, und ich denke, wir hatten beide dasselbe im Sinn.

„Abschied von Heinz Schandl“ weiterlesen

Die Leiden des überwutzelten W.

Heute ist es soweit. Mein monatelanger Wegbegleiter wird sich morgen von mir fürs erste einmal verabschieden und möge bei der Gelegenheit auch etwas Einblick in das mich ebenfalls seit  Jahrzehnten begleitende Phänomen der gelebten Prokrastination geben. Sein Name ist Gerhard Rühm, ja der berühmte, und der Anlass unserer gemeinsamen Wanderschaft: Das Verfassen der Subventionsansuchen für dessen geplante aus drei CDs und einem aufwändigem Booklet bestehende CD-Box. „Die Leiden des überwutzelten W.“ weiterlesen

Komposita: Schwanzkraft

Das hat er sich wohl anders vorgestellt, der David, als er meine zahllosen Post Its an meiner Türe gesehen hatte, mit dem Zweck, aus zwei einfachen Hauptwörtern eine neues, zusammengesetztes Hauptwort zu kreieren. Das nennt man auch Komposita, dient als literarische Schreibübung zur Disziplinierung, und ich versuche, diese auch regelmäßig zu absolvieren. Heute habe ich zwei Anregungen bekommen, eine davon ist diese. „Komposita: Schwanzkraft“ weiterlesen

Komposita: Lebenslauf

Es war damals im Lenz. Kaum hatte sich der frostige Winter dem nahenden Frühling geschlagen geben müssen und für einige Monate das Weite gesucht, erstrahlte auch die Wiese in saftigem Grün, Flora und Fauna erfreuten sich, unterstützt durch das kräftigende Licht der Sonne frischen Mutes und lachten gleichsam ihr neu erwachtes Leben in aller gebotenen Geschäftigkeit und Farbenpracht in die Welt hinaus. So erging es in diesen Tagen auch dem Heideröschen, kaum dass sie ihre Knospe wahrzunehmen imstande war, die in gar nicht ferner Zukunft zur prachtvollen Rose reifen würde. „Komposita: Lebenslauf“ weiterlesen

Komposita: Gebirgsjäger

Wie erinnern uns: Zu einer Zeit, lange vor der unseren, als die Berge noch nicht sesshaft geworden waren und sie scheinbar ziellos um die Welt vazierten, ließ es sich nicht vermeiden, dass sie dadurch beim noch jungen Menschengeschlecht Verwirrung auslösten und nicht zuletzt bisweilen auch Schaden anrichteten. So fanden sich die ältesten des Menschengeschlechtes und zusammen arbeiteten fieberhaft daran, den ewig scheinenden Missstand zu beseitigen. „Komposita: Gebirgsjäger“ weiterlesen

Sandra

roseurbanowskireigen2003byvisualactGerade, als ich soeben durch die Karmelitergasse spazierte, war Licht im Kulturbüro, in Andis Stadtbüro seiner kleinen feinen Spedition. Sandra hatte im Dezember einen Weihnachtsmarkt aus dem Boden gestampft, der es ihren Freundinnen und Freunden, die Einschlägiges aus dem Kunstgewerbe anzubieten haben, ermöglichen sollte, ihre Produkte interessierten Adressaten anzubieten, nebst Prozentigem für kalte Winternächte. Ich schloss mich dem bald lustigen Treiben an und erwarb zwei Landkrimis aus der Steiermark, entsprungen der Feder von Klaudia Blasl, ein Kochbuch zur Zubereitung von Hundekeksen, sowie eine Schatztruhe für Rosi, gedacht für Leckerlis mit Dackelporträt on the top, entworfen und produziert vom allseits geachteten Wolfgang Bäuml. „Sandra“ weiterlesen

USB Wine

2354Oft lenken mich die Schritte hinaus in die Natur, dorthin, wo der Wind weht, die Sonne scheint und der Heurige lockt. Mit dem 31er nach Stammersdorf zu pilgern, erfrischt meine Seele ebenso, wie der 39A, denn der bringt mich nach Sievering, der 60er nach Mauer und der 38er nach Grinzing. Daheim geblieben fröhne ich gerne den ansässigen Kennern, die mir oftmals wahre Abenteuer bescheren, wenn es Veltliner, Gemischten Satz und noch nicht entdeckte Schätze zu heben gibt. Ich darf mich als engagierten Weinheber, treu der Region, treu dem Gaumen, bezeichnen.
Doch willst du in die Ferne schweifen, allein wohin? „USB Wine“ weiterlesen